📘 Neue Sachlichkeit – einfach erklärt
Die Neue Sachlichkeit ist eine Literaturepoche der deutschen Literatur, die sich vor allem in den 1920er Jahren entwickelte. Sie entstand als bewusste Gegenbewegung zum Expressionismus und zeichnet sich durch eine nüchterne, realistische und sachliche Darstellung der Wirklichkeit aus.
Im Deutschunterricht begegnet dir die Neue Sachlichkeit häufig bei Textanalysen, Epochenvergleichen und Klassenarbeiten. Deshalb ist es wichtig, ihre Merkmale, Themen und Vertreter sicher zu kennen.
1️⃣ Zeitliche Einordnung der Neuen Sachlichkeit
Die Epoche der Neuen Sachlichkeit wird meist auf die Zeit von ca. 1920 bis 1933 datiert. Sie fällt in die Phase der Weimarer Republik, eine politisch und gesellschaftlich instabile Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.
Arbeitslosigkeit, Inflation, Armut, politische Radikalisierung und soziale Ungleichheit prägten den Alltag vieler Menschen. Genau diese Realität griffen die Autor:innen der Neuen Sachlichkeit auf.
2️⃣ Entstehung und Hintergrund
Die Neue Sachlichkeit entstand als Reaktion auf den Expressionismus. Während expressionistische Texte stark emotional, bildreich und subjektiv waren, wollten Autor:innen der Neuen Sachlichkeit die Welt nüchtern, distanziert und realistisch darstellen.
Ziel war es, gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen – ohne Pathos, ohne Übertreibung, ohne Gefühlsausbrüche.
3️⃣ Zentrale Merkmale der Neuen Sachlichkeit
- sachliche, nüchterne Sprache
- klare, einfache Satzstrukturen
- realistische Darstellung des Alltags
- kritischer Blick auf Gesellschaft und Politik
- Verzicht auf starke Gefühle und Metaphern
- oft reportageartiger Stil
- Distanz zwischen Erzähler und Geschehen
Die Texte wirken oft kühl, beobachtend und manchmal sogar schonungslos.
4️⃣ Typische Themen
Autor:innen der Neuen Sachlichkeit beschäftigten sich mit den Problemen ihrer Zeit. Häufige Themen sind:
- soziale Ungerechtigkeit
- Armut und Arbeitslosigkeit
- Kriegserfahrungen und ihre Folgen
- Großstadtleben
- Rollenbilder von Mann und Frau
- politische Instabilität
- Entfremdung des Menschen
5️⃣ Sprache und Stil
Die Sprache der Neuen Sachlichkeit ist bewusst einfach, präzise und ungeschmückt. Emotionale Ausdrücke werden vermieden. Stattdessen dominieren:
- kurze Hauptsätze
- sachliche Wortwahl
- direkte Aussagen
- kaum bildhafte Sprache
Oft erinnert der Stil an Zeitungsberichte oder Reportagen.
6️⃣ Wichtige Autor:innen der Neuen Sachlichkeit
- Erich Kästner – „Fabian“, „Emil und die Detektive“
- Irmgard Keun – „Das kunstseidene Mädchen“
- Hans Fallada – „Kleiner Mann – was nun?“
- Joseph Roth – „Hiob“
- Kurt Tucholsky – politische und gesellschaftskritische Texte
7️⃣ Textsorten der Neuen Sachlichkeit
Die Neue Sachlichkeit zeigt sich in verschiedenen Textformen:
- Romane
- Kurzgeschichten
- Reportagen
- Zeitungsartikel
- politische Essays
8️⃣ Abgrenzung zum Expressionismus
| Expressionismus | Neue Sachlichkeit |
|---|---|
| emotional | sachlich |
| subjektiv | objektiv |
| bildreiche Sprache | nüchterne Sprache |
| starke Gefühle | distanziert |
9️⃣ Typische Fehler im Unterricht
- ❌ Neue Sachlichkeit mit Expressionismus verwechseln
- ❌ Sprache als „langweilig“ abwerten – sie ist bewusst nüchtern
- ❌ gesellschaftlichen Kontext nicht erklären
- ❌ Texte nur inhaltlich, nicht stilistisch analysieren
🔟 Zusammenfassung
Die Neue Sachlichkeit ist eine Literaturepoche der 1920er Jahre, die sich durch eine sachliche, realistische und gesellschaftskritische Darstellung der Wirklichkeit auszeichnet. Sie reagiert auf die Probleme der Weimarer Republik und verzichtet bewusst auf emotionale Übertreibungen. Für den Deutschunterricht ist sie besonders wichtig, da sie einen klaren Kontrast zum Expressionismus bildet.