Analyse der Kurzgeschichte „An diesem Dienstag“ von Wolfgang Borchert (1947)

Analyse der Kurzgeschichte „An diesem Dienstag“ von Wolfgang Borchert (1947)

Die Kurzgeschichte „An diesem Dienstag“ von Wolfgang Borchert stammt aus dem Jahr 1947 und gehört zur Nachkriegsliteratur. Sie behandelt die Belastungen des Krieges, die traumatischen Nachwirkungen auf die Menschen und die Schwierigkeiten, in einem zerstörten Alltag wieder Fuß zu fassen. Borchert zeigt in wenigen Sätzen die emotionale Tiefe und Verzweiflung der Figuren.

📖 1. Inhaltsangabe

Die Handlung spielt an einem gewöhnlichen Dienstag in der Nachkriegszeit. Ein Mann trifft auf die Überreste seines Lebens, das durch den Krieg zerstört wurde.

  • Der Mann geht durch die Straßen und beobachtet zerstörte Häuser, Trümmer und Menschen, die ebenfalls versuchen, ihren Alltag zu bewältigen.
  • Er denkt über die Ereignisse des Krieges nach, über Verluste und die Unmöglichkeit, zu einem normalen Leben zurückzukehren.
  • Er begegnet Bekannten und Fremden, doch jeder ist mit eigenen Problemen beschäftigt.
  • Die Handlung ist sehr ruhig, fast alltäglich, doch hinter der scheinbaren Normalität liegt die Nachwirkung des Krieges.
  • Am Ende bleibt die Stimmung von Verlorenheit, Einsamkeit und innerer Leere bestehen.

Besonderheit: Die Kurzgeschichte zeigt, dass der Krieg auch Jahre nach seinem Ende das Leben der Menschen prägt.

🧑‍🤝‍🧑 2. Figurenanalyse

🧍 Der Mann

  • Charakter: nachdenklich, erschöpft, traumatisiert
  • Gefühle: Verzweiflung, Einsamkeit, Sehnsucht nach Normalität
  • Symbolik: steht stellvertretend für die Nachkriegsgeneration, die zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen ist

👥 Nebenfiguren / Mitmenschen

  • Oft nur angedeutet, keine direkten Namen
  • Symbolisieren die kollektive Not, das Schweigen und die Anpassung der Gesellschaft

🎯 3. Zentrale Themen und Motive

  • Nachkriegsliteratur: Umgang mit Trauma und Zerstörung
  • Verlust und Einsamkeit
  • Schweigen und Unausgesprochenes
  • Alltagsbeobachtungen als Spiegel gesellschaftlicher Realität

Borcherts Geschichte zeigt, dass das „normale Leben“ nach dem Krieg oft nur äußerlich wiederhergestellt wird.

✍️ 4. Sprache und Stil

  • Knapp, sachlich, nüchterne Beschreibung der Nachkriegsrealität
  • Kurze, prägnante Sätze
  • Innere Gedanken werden angedeutet
  • Emotionale Wirkung durch Minimalismus und Andeutung
  • Verwendung von Wiederholungen, um Routine und Trostlosigkeit zu verdeutlichen

📚 5. Aufbau und Erzähltechnik

  • Lineare Handlung ohne klassische Höhepunkte
  • Begrenzter Raum (Straßen, zerstörte Stadt, Alltagssituationen)
  • Perspektive: personaler Erzähler, Fokus auf die Gedanken des Mannes
  • Offenes Ende, das die anhaltende Trostlosigkeit betont

🔍 6. Interpretation

  • Die Kurzgeschichte thematisiert die Nachwirkungen von Krieg und Zerstörung auf den Einzelnen.
  • Der Dienstag symbolisiert Normalität, die jedoch nur oberflächlich ist.
  • Borcherts Sprache verstärkt die emotionale Wirkung durch Nüchternheit und Alltagsszenen.
  • Leser:innen sollen die Verzweiflung und das Trauma der Nachkriegsgeneration nachvollziehen können.

Kernaussage: Auch Jahre nach dem Krieg bleibt das Leben von Verlust, Einsamkeit und traumatischen Erfahrungen geprägt.

💡 7. Merktipps für Klassenarbeiten

  • Gattung: Kurzgeschichte
  • Merkmale: knappe, sachliche Sprache, Alltagsbeschreibung, offenes Ende
  • Thema: Nachkriegszeit, Trauma, Alltag, Einsamkeit
  • Typische Frage: Wie wird die Nachkriegsrealität durch die Perspektive des Mannes dargestellt?

📝 8. Zusammenfassung

„An diesem Dienstag“ von Wolfgang Borchert (1947) zeigt, wie der Alltag nach dem Krieg geprägt ist von Verlust, Trauma und Einsamkeit. Borchert setzt auf nüchterne Alltagsszenen und minimale Handlung, um die emotionale Wirkung zu verstärken. Die Geschichte regt Schüler:innen dazu an, über die psychologischen und sozialen Folgen von Krieg nachzudenken.