Analyse der Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert
"Nachts schlafen die Ratten doch" ist eine Kurzgeschichte von Wolfgang Borchert, einem zentralen Autor der Nachkriegsliteratur. Sie wurde 1947 veröffentlicht und thematisiert die unmittelbaren Folgen des Zweiten Weltkriegs, die Zerstörung und das Trauma der Kinder im Nachkriegsdeutschland. Borchert erzählt mit wenigen Worten eine bewegende Geschichte über Verlust, Angst und Mitgefühl.
1. Inhalt der Kurzgeschichte
Die Geschichte spielt in einem zerstörten Haus nach dem Krieg. Ein kleiner Junge, Jürgen, spielt draußen mit einer Schaufel, um eine Stelle vor den Ratten zu schützen. Die Ratten haben das Haus beschädigt. Ein älterer Mann beobachtet ihn und spricht mit ihm. Durch das Gespräch wird klar, dass Jürgen seine Eltern verloren hat und mit den Folgen des Krieges umgehen muss. Der Mann beruhigt ihn, indem er sagt, dass die Ratten nachts schlafen, was für Jürgen ein Symbol für Schutz und Sicherheit wird.
- Ort: Zerstörtes Haus und Umgebung nach dem Krieg
- Protagonist: Jürgen, ein Kind, das seine Eltern durch den Krieg verloren hat
- Begleitfigur: Älterer Mann, symbolisiert Schutz, Mitmenschlichkeit und Hoffnung
- Konflikt: Verarbeitung von Kriegstrauma, Angst vor Ratten, Verlust und Einsamkeit
- Merktipp: Borchert zeigt die Auswirkungen des Krieges auf die Kinder durch alltägliche Handlung und Dialoge
2. Figurenanalyse
2.1 Jürgen
- Charakter: Ein kleiner Junge, verängstigt, traumatisiert durch den Verlust der Eltern
- Handlung: Verteidigt sein Zuhause vor Ratten, spiegelt seine Angst und den Wunsch nach Kontrolle wider
- Symbolik: Kindliche Verwundbarkeit und die Notwendigkeit, sich im zerstörten Nachkriegsalltag zu behaupten
- Merktipp: Jürgen verkörpert die Kinder des Krieges, die durch Verlust und Angst geprägt sind
2.2 Älterer Mann
- Charakter: Ruhig, verständnisvoll, mitfühlend
- Funktion: Tröstet Jürgen, vermittelt Sicherheit, zeigt menschliche Wärme
- Symbolik: Hoffnung, Mitmenschlichkeit und Schutz im zerstörten Umfeld
- Merktipp: Der Mann zeigt, dass kleine Gesten der Menschlichkeit in der Nachkriegssituation großen Einfluss haben
3. Themen und Motive
- Krieg und Zerstörung: Die Kurzgeschichte zeigt die Nachwirkungen des Krieges auf Kinder und Familien
- Verlust und Trauer: Jürgen hat seine Eltern verloren und muss mit Einsamkeit umgehen
- Angst und Schutz: Die Ratten symbolisieren Bedrohung, der ältere Mann Sicherheit
- Mitmenschlichkeit und Hoffnung: Kleine Gesten der Zuwendung geben Sicherheit und Stabilität
- Merktipp: Borchert zeigt, wie Krieg nicht nur Städte, sondern auch Menschen und Kinder seelisch zerstört
4. Stil und Sprache
- Kurz und prägnant: Typisch für Borcherts Kurzgeschichten
- Einfache, klare Alltagssprache: Vermittelt Nähe und Authentizität
- Symbolik: Ratten = Bedrohung, Schaufel = Schutz, „Nachts schlafen die Ratten doch“ = Hoffnung und Sicherheit
- Merktipp: Die einfache Sprache verstärkt die emotionale Wirkung der Geschichte
5. Erzählperspektive und Aufbau
- Erzählperspektive: Personal aus Sicht des Jungen, beschränkt auf seine Wahrnehmung
- Handlungsstruktur: Linear, konzentriert auf einen kurzen Moment nach dem Krieg
- Spannungsaufbau: Konflikt zwischen Angst und Schutz, emotionale Höhepunkte durch Dialog und Symbolik
- Merktipp: Die Spannung entsteht durch innere Konflikte, nicht durch äußere Handlung
6. Interpretation
"Nachts schlafen die Ratten doch" zeigt die traumatischen Folgen des Krieges auf Kinder. Die Ratten symbolisieren Bedrohung und Gefahr, während der ältere Mann Schutz und Hoffnung vermittelt. Die Geschichte behandelt:
- Verlust von Familie und Sicherheit
- Trauma und die Verarbeitung von Kriegserfahrungen
- Die Bedeutung kleiner Gesten der Mitmenschlichkeit
- Hoffnung durch symbolische Handlung und tröstliche Worte
- Merktipp: Borchert verdeutlicht, dass Hoffnung selbst in zerstörten Umgebungen bestehen kann
7. Merktipps für Schüler:innen
- Wolfgang Borchert = Nachkriegsliteratur, Alltag, Trauma
- Ratten = Bedrohung, Schaufel = Schutz, Mann = Hoffnung
- Themen: Krieg, Verlust, Angst, Mitmenschlichkeit
- Stil: Kurz, prägnant, einfache Sprache, symbolische Elemente
- Fragen: Welche Funktion haben die Ratten im Text? Wie zeigt Borchert Mitmenschlichkeit in schwierigen Zeiten?
8. Zusammenfassung
"Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert ist eine Kurzgeschichte über die Nachwirkungen des Krieges, kindliche Verwundbarkeit, Verlust und die Bedeutung von Mitmenschlichkeit. Symbolische Elemente wie die Ratten und die Schaufel verstärken die emotionale Wirkung. Schüler:innen lernen, wie Figuren, Symbole, Themen und emotionale Botschaften in wenigen Worten dargestellt werden können.